Betreutes Ankommen, Linsensuppe – und Schutzengel, die ihren Dienst getan haben

Wieder zu Hause
3. Mai 2015

Ja, es war ein komisches Gefühl während dieses letzten Fluges unserer Weltreise: Jetzt geht es zurück in die Heimat. Einerseits haben wir uns gefreut: Auf Freundinnen und Freunde und Familie, auf das eigene Bett und den eigenen Garten, auf gutes badisches Essen, Wein und Gemütlichkeit in der Stammkneipe.

Andererseits war’s ja auch traurig, dass dieses große Abenteuer nun zu Ende war.

Deshalb war mir bei der Ankunft am Frankfurter Flughafen plötzlich zum Heulen, und ich musste mich ganz dolle an dem Menschen festhalten, der mich die ganze Zeit begleitet hat:

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Aber!

Wir wurden ja von Tanja und Matthias abgeholt. Und unsere lieben Freunde taten wirklich alles, um uns so sanft und angenehm wie möglich wieder landen zu lassen.

Betreutes Ankommen sozusagen.

Zuerst mal gab es Sekt und Brezeln (richtige badische Brezeln!!! Wie hatte ich sie vermisst! Das merkte ich plötzlich!) an einer richtigen deutschen Autobahnraststätte.

Vrooom! Vrooom! Vrooom!

germanAutobahn

Ach, ja, die deutsche Autobahn.

Wofür uns überall auf der Welt die Menschen beneiden („where do you come from? Germany? Oh, I love the german autobahn! No speed limit…“ *verklärter Blick*), das lernten wir jetzt wieder in seiner ganzen Pracht kennen.

Raser, Drängler, Aufblender – und dann eine Stunde im Stau stehen.

Das waren wir gar nicht mehr gewöhnt. In den USA fährt man gemütlich, in Island hat man die Straße oft für sich.

Deutschland, du hast uns wieder!

Es ging aber noch nicht gleich nach Hause, sondern erst einmal nach Heilbronn zu Matthias.

Dort gab es das nächste kulinarische Highlight: Linsensuppe mit Spätzle und Seitewürschtle! Das ist zwar schwäbisch, aber trotzdem sooo heimatlich.
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Uns wurde bewusst, wie sehr die Heimat mit Essen verbunden ist; mit bestimmten Gerichten, die nirgendwo sonst so schmecken können.

Nach einem Abend mit Karaoke in einer Heilbronner Schwulenbar und einer Nacht auf Matthias‘ Gästematratzen – selten haben wir so gut geschlafen, denn diese Betten waren schließlich mit Liebe für uns gemacht worden! – ging’s ins Grüne.

Deutscher Frühling! Wie der knallt! Lange hatten wir nicht mehr so ein saftiges Grün gesehen, so viele Singvögel gehört, solch‘ berauschenden Blütenduft genossen.

Das ist wohl so, wenn man lange weg war von Daheim. Der hier weiß genau, was ich meine:

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„…das ist KORSIKA!“ Äh, in unserem Fall Offenburg. (Abfotografie aus: Asterix auf Korsika)

So spazierten wir mit Blümchen in den Augen und unter wiederholten Begeisterungskieksern durch die Natur.
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Manchen Reise-Traditionen kann man treu bleiben: In jedes Wasser springen gilt auch zu Hause.
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Ja, zu Hause! Auch an diesem Abend kamen wir da noch nicht gleich hin. Tanja fuhr in die Weinstraße ein, die Vorfreude auf unser Zuhause stieg – und dann bog sie ab zu Freunden, wo uns eine Überraschungs-WIllkommensparty erwartete.

Ihr seid alle sooo lieb!

An unserer Haustür erwartete uns dann dies (von den Schwiegereltern):
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Am Kühlschrank hing das (von der Tochter):

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Über dem Esstisch hing das:
WelcomeBack
Hach. Wie weich kann man landen?

Am nächsten Morgen konnten wir dann endlich den Garten und die Umgebung bei Tageslicht betrachten.

Der Garten mit Blick aufs Haus, im Hintergrund Reben (isses nicht schön, das alles?)
IMG_8393Details aus Garten und Reben. Vorfreude auf die Obsternte inbegriffen:
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Unser Dorf, von den Reben aus gesehen:

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Und von der Weinflasche aus (so’n meterhohes Wahrzeichen aus Blech oben in den Reben. Ja! Es gibt hier in Rammersweier sehr guten Wein!)
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Und endlich wieder selber kochen – in der eigenen Küche.

Es ist Spargelzeit, wie fühlen uns wie im siebten Himmel – vor allem mit Olafs legendärer Hollandaise. Dazu Schwarzwälder Schinken vom guten Metzger gegenüber – und natürlich ein guter Riesling von der heimischen Winzergenossenschaft, auch nur einen Steinwurf entfernt.

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Wieder einen Tag später. Richtig angekommen sind wir immer noch nicht.

Ein halbes Jahr Post lauert im Büro – lieber noch mal drüber schlafen.

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Doch es hilft nix, hier müssen wir durch:

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Ebenso ist der Gang zur Krankenkasse unerlässlich, damit wir wieder versichert sind. Nachdem diese beiden Dinge erledigt sind, fühlen wir uns wieder vorhanden in Deutschland. Jedenfalls auf dem Papier.

Geistig sind wir immer noch nicht ganz da. Das allgemeine Tempo in Deutschland ist uns viel zu schnell geworden.

So nach und nach packen wir auch unsere Rucksäcke aus. Und siehe da: Der kleine Schutzengel einer lieben Kollegin und Freundin, der uns über die ganze Reise begleitete, hat auf dem allerletzten Flug von Island nach Frankfurt den Kopf verloren.Engel

Aber er hatte ja seinen Dienst getan. Und das sehr, sehr gut.

Danke, kleiner Schutzengel.

Was wir hier jetzt besonders zu schätzen wissen: Die heimatliche Natur und unsere schönen Dörfer und Städtchen, die sich hinter keinem unserer Reiseziele verstecken müssen. Das deutsche Gesundheitssystem, das (noch) so viel besser ist als in den meisten anderen Ländern dieser Welt. Der deutsche Arbeitsmarkt, der uns – gerade hier in Südbaden – sicher bald wieder Möglichkeiten eröffnet. Unser abgezahltes Haus. Unsere Freunde, unsere Familien. ❤

Was man hier gar nicht (mehr) braucht: Im Rucksack herumkramen, um ein Kleidungsstück zu finden. Im Laptop herumkramen, um ein Zimmer am nächsten Reiseziel zu finden. Wir leben wieder in großzügigen drei Zimmern mit Küche, Bad, Balkon – alles unseres! – und einem ganzen Kleiderschrank für jede(n). Welch ein Luxus. Wobei ich sagen muss, dass mir das Leben aus dem Rucksack nichts ausgemacht hat. Man braucht eigentlich so wenig. Sollte man öfters dran denken.

Buchtipp: Haha, da kommt natürlich nur eins in Frage (bzw. zwei): „Um fünf am Stadtbuckel“ und „Läden&Leute“ von Jutta Bissinger 😉 Kleine, feine Bücher über meine Heimat Offenburg.

Wo es jetzt hingeht: Ja, staunt nur, hier steht schon wieder was: Für Olaf geht es in etwa zwei Wochen in die Schweiz, denn er geht für drei Monate zum Arbeiten auf die Alp. Kühe melken, Käse machen, Ausmisten usw.  Ob es dazu wohl ein neues Blog gibt? Wir dürfen gespannt sein.

6 Kommentare zu “Betreutes Ankommen, Linsensuppe – und Schutzengel, die ihren Dienst getan haben

  1. Hach, wie schee! Korsika!😃 und beim Schutzengel hattich ja fast Pipi inne Augen..wann wir euch wohl mal wieder im schoenen O’burg besuchen koennen? So’ne echte Brezel, das waer was.. Autobahn(vrooom) und U-bahn fehlt mir hier auch weit weniGER.
    KUSS!😍

    Gefällt 1 Person

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